Die Frau steht vor dem Baum. Obwohl sie ihn schon tausende Male gesehen hat, betrachtet sie ihn jetzt mit ganz anderen Augen. Sie ist fasziniert. Sie ist unschlüssig.Sie ringt mit sich. Kalter Schweiß steht ihr auf der Stirn und Zweifel im Gesicht. Wem soll sie glauben, wem vertrauen? Und je länger sie schaut, um so mehr begehrt sie die Frucht - und das, was sie ihr ermöglichen wird: Gott gleich sein!
Wir kennen die Geschichte, denn der Rest ist Geschichte. Oft habe ich mir gewünscht in dem Augenblick hinter Eva zu stehen und zu schreien: "Bist Du närrisch?" Aber auch unser Stammvater Adam langt völlig bedenkenlos zu. "Oh, Essen - hampf..." Typisch Mann! Man möchte die beiden liebevoll umarmen und ordentlich würgen!
In diesem Traum von einem Garten hatten die beiden alle Freiheiten. Sie konnten tun und lassen, was sie wollten. Es gab nur eine einzige Einschränkung: Finger weg von dem verfluchten Erkenntnisbaum! Und ich frage mich: Warum um Himmels Willen haben die beiden nicht bei dem anderen Baum zugelangt? Ich meine den Baum daneben - den Baum des Lebens? Alles wäre anders gelaufen und uns wäre Kummer und Leid erspart geblieben.
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Was war eigentlich das Problem mit diesem Baum der Erkenntnis?
Was ist denn bitte so tödlich an seiner Frucht? Für uns ist Erkenntnis etwas theoretisches, wissenschaftlich-langweiliges. Aber im Hebräischen ist das ein Wort, das den ganzen Menschen umfasst, seine Gefühle und Erfahrungen mit eingeschlossen. Es geht also darum, das Gute und das Böse bis in die intimste Ebene hinein zu erfahren und nicht nur objektiv von außen zu betrachten.
Und das hat die ersten Menschen kaputt gemacht. Und bis zum heutigen Tag sind wir getrieben von einem zerstörerischen Dualismus. Wir sind hin- und hergerissen von Gut und Böse. Es gibt nichts Zermürbenderes, als zu wissen, was gut ist und sich dann aus Schwachheit für das Schlechte zu entscheiden. Rauchen, Essen, Partnerschaft, Sport...
Besessen von Gut und Böse
Da gibt es Leute, die wollen einfach alles richtig machen. Sie wissen ganz genau, was erlaubt und was verboten ist. Und wenn sich andere nicht an diese Regeln halten, dann sind das die Bösen. Dabei macht es im Kern keinen Unterschied, ob es sich hier um die 10 Gebote oder um die Hausordnung handelt.
Das andere Extrem ist der ewige Rebell. "Was, man soll nicht über den Rasen latschen? Aber niemand hat gesagt, dass man nicht mit dem Panzer drüber fahren kann!" Es hat den Anschein, Gesetze sind ihnen egal, aber das stimmt nicht. Es geht ihnen ja darum, so viele wie möglich zu brechen.
Und der Dritte will das Gute, aber ist fasziniert vom Verbotenen. Ständig fragt er sich, ob man das darf. Wie ein hypnotisiertes Kaninchen starrt er auf die Grenzlinie und will am liebsten endlich auf die andere Seite. Aber er traut sich nicht und so leidet er immer weiter.
Bist du besessen von Gut und Böse oder bist du vom Leben beseelt? Du musst dich entscheiden! Wer sich für den Baum der Erkenntnis entschieden hat, für den ist der Weg zum Baum des Lebens versperrt! Adam und Eva wurden deshalb aus dem Paradies geworfen. Die Frucht der Erkenntnis hatte beide verdorben. Wenn man in diesem Zustand ewig lebt, ist das die Hölle auf Erden für immer!
Aber als die Zeit erfüllt war, sandte Gott das Leben wieder auf die Erde. Jesus sagt von sich: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Und als er an das Kreuz genagelt wurde, machte er das Kreuz zum Baum des Lebens. Denn wenn wir an Jesus glauben, geschieht ein Wunder. Unsere innere Zerbrochenheit wird geheilt. Wir müssen nicht länger von Gut und Böse besessen sein, weil Jesus in uns lebt und uns davon befreit. Das Gesetz ist unnötig, weil wir vom Leben beseelt sind.
An den Früchten werden wir erkannt
Ende gut, alles gut? Weit gefehlt! Denn was machen wir in unseren Gemeinden, Land auf und Land ab? Wir bieten fleißig die Früchte vom Baum der Erkenntnis an! Die Pharisäer nannte Jesus "Schlangen! Otternbrut!", denn sie waren im gleichen Geschäft!
Wenn du glaubst oder predigst, dass man sich an bestimmte Regeln halten muss und dass Menschen sich verändern, wenn sie nur die richtigen Dinge wissen - dann begehst Du einen furchtbaren Fehler! Erkenntnis und Dogma verändert niemanden. Sonst hätte das Gesetz Mose ja ausgereicht. Da stand ja alles haarklein drin.
Höre Dir einmal deine letzten Predigten an. Was predigst du da? Worum geht es in eurem Jüngerschaftskurs? Vermittelst du mit deinem Leben Erkenntnisse über Gut und Böse? Oder sprichst Du vom Leben - von Christus? Kommt es dir darauf an, dass die Leute die richtigen Dinge glauben? Oder bist du gespannt, wie Christus dir durch diesen Menschen begegnet? Wie gehst Du mit Menschen um, die nicht nach deinen Erkenntnissen leben können oder wollen?
Leben statt Religion
Oft sind wir besessen von richtig und falsch, gut und böse. Aber Jesus bietet uns das Leben - sich selbst! Wenn wir von ihm beseelt sind, geht es nicht mehr um Regeln. Dann geht es um Gottes Reich in diesem Augenblick, in dieser kaputten Welt.
Dann reden wir von Christus und lassen uns von Ihm gebrauchen, als seine Arme und Beine. Und dann zeigen wir anderen, wie man mit Jesus leben kann: wie beten geht, wie wir seine Stimme hören, wie wir Zeit mit ihm verbringen und wie man die Welt gemeinsam mit Ihm verändert.
Gemeinde Jesu: Schluss mit dem Handel mit faulen Früchten! Die Welt braucht nicht unsere Erkenntnisse - sie braucht Jesus! Also: belehrst Du noch - oder lebst Du schon?
Du bist gefragt:
Danke, dass du dich bis hier hin durchgekämpft hast. Aber diesem Artikel fehlt etwas ganz wesentliches: deine Meinung! Bin ich zu einseitig? Hast Du konkrete Beispiele und Erfahrungen, die du teilen möchtest? Ich freue mich, von dir zu lesen!